Kreditkartenbetrug
Rückrufaktion weitet sich ausQuelle: www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,662337,00.html
(19.11.2009)
Frankfurt/Main/Berlin - Der Austausch von Kreditkarten wegen eines kriminellen Datenangriffs in Spanien nimmt immer größere Dimensionen an. Ein Sprecher der Kreditkartenorganisation Visa bestätigte am Donnerstagabend in Frankfurt Berichte, wonach auch Banken in Österreich, Finnland und Schweden damit begonnen haben, Karten zu tauschen. Unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen wollte er aber keine weiteren Einzelheiten nennen. Von den deutschen Instituten wisse Visa, dass es nur in sehr wenigen Fällen zu Schäden gekommen sei.
Die deutschen Banken und Sparkassen haben in den vergangenen Wochen Hunderttausende Karten aus Sicherheitsgründen ausgetauscht. Nach Angaben des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) ist der Wechsel hierzulande bereits weitgehend abgeschlossen. Die bisher größte Aktion dieser Art war angelaufen, nachdem Kundendaten gestohlen wurden - vermutlich bei einem spanischen Abrechnungsdienstleister. Mit den Daten hat es Kunden zufolge zumindest Betrugsversuche gegeben, Schäden sind dem ZKA und dem Bundeskriminalamt bislang aber noch nicht bekannt. Unklar ist weiterhin, wie viele Verbraucher von dem Umtausch betroffen sind.
Die deutsche Kreditwirtschaft habe auf die Warnmeldungen von Visa und Mastercard am 4. November umgehend reagiert, berichtete der Kreditausschuss am Donnerstag. Die Bankkunden seien daraufhin sofort informiert worden. Die Organisation wies damit Vorwürfe von Verbraucherschützern zurück, die Kunden nicht umfassend aufgeklärt zu haben. Auch der Sparkassen- und Giroverband betonte, diese Anschuldigungen seien in keiner Weise berechtigt.
Überwachung betroffener Karten verschärft
"Wer als Kunde in den kommenden Tagen kein Schreiben mehr erhält, ist auch nicht betroffen", sagte ZKA-Sprecherin Melanie Schmergal. Die Verbraucher sollten sich nicht sorgen, weil etwaige Schäden in jedem Fall übernommen würden. Die Kunden haften dafür nicht. Bis zum Eintreffen der neuen Karten können die alten weiterbenutzt werden. Alle Banken und Sparkassen hätten die Überwachung der betroffenen Karten deutlich verschärft, so dass eventueller Missbrauch eingeschränkt werde. Pro Karte kostet die Umtauschaktion die Institute fünf bis zehn Euro.
Das Bundeskriminalamt ermittelt nach eigenen Angaben derzeit nicht. Bei der Polizei lägen auch nicht vermehrt Anzeigen vor, hieß es. Die Kreditkartenunternehmen verweigern weiterhin genauere Informationen zu dem Datenleck. "Wir wollen unsere laufenden Ermittlungen nicht gefährden", sagte Mastercard-Sprecher Thorsten Klein. Ähnlich hatte sich am Dienstag schon Visa geäußert. Wer die Ermittlungen von staatlicher Seite führe, wollte Klein nicht sagen.
Rückruf nicht ungewöhnlich
Die Grünen im Bundestag forderten unterdessen die Bundesregierung auf, die Finanzaufsicht zu stärken und ihr Verbraucherschutzaufgaben zu übertragen. "Außerdem brauchen wir einen Finanzmarktwächter, der die Arbeit der Verbraucherzentralen bündelt, den Markt beobachtet und Missstände öffentlich anprangert", sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, Nicole Maisch. Die Vizevorsitzende der FDP-Fraktion, Gisela Piltz forderte im Gespräch mit Handelsblatt Online multilaterale Abkommen, um datenschutzrechtliche Standards international zu etablieren.
Nach Angaben des ZKA ist die derzeitige Rückrufaktion nicht ungewöhnlich. Vorsorgliche Aktionen habe es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, in den vergangenen zwei Jahren aber vermehrt. Allein bei den Volks- und Raiffeisenbanken sollen 60.000, bei den Sparkassen 190.000 Kreditkarten umgetauscht worden sein. Die Direktbank ING Diba meldete am Donnerstag, bei ihr seien 500 der insgesamt 700.000 Karten betroffen.
can/dpa




